Der unterschätzte Riese

Warum wir Facebook Video falsch eingeschätzt haben

In der digitalen Strategie gibt es ein gefährliches Vorurteil: „Facebook ist tot.“

Jeder Marketing-Guru predigt TikTok, Reels und Shorts. Und auch ich war kurz davor, den blauen Riesen als reines Archiv zu betrachten. Doch als Stratege muss man bereit sein, seine Hypothesen durch Daten zu korrigieren.

Vor kurzem stellte ich meiner KI eine einfache Frage zur Content-Syndizierung. Ich wollte wissen, ob es Sinn macht, unsere langen YouTube-Formate (Deep Dives, Analysen, Storytelling) auch auf Facebook auszuspielen.

Das Ergebnis der Analyse war verblüffend und zwang mich zum Umdenken.

Das „Facebook Watch“ Phänomen
Für die Zielgruppe, die wir oft als „Gen X“ oder „Boomer“ (speziell Frauen 40+) bezeichnen, hat sich das Nutzungsverhalten drastisch vom Rest des Internets entkoppelt.

Während die Jugend snackt, „dinieren“ diese Nutzer auf Facebook. Sie gehen in den „Facebook Watch“-Tab, um sich unterhalten zu lassen. Sie drehen das Smartphone ins Querformat. Sie schauen 5, 10 oder 15 Minuten zu.

Warum das für uns pures Gold ist

Recycling-Effizienz: Wir müssen keinen neuen Content produzieren. Das YouTube-Masterfile funktioniert hier nativ oft besser als auf YouTube selbst, weil der Algorithmus „Sticky Content“ liebt.

Werbe-Effizienz: Da viele Advertiser Facebook nur noch für statische Ads oder kurze Clips nutzen, ist das Inventar für Long-Form-Video oft weniger umkämpft. Es ist ein „Blue Ocean“ in einem vermeintlich toten Meer.

Shareability: Im Gegensatz zu YouTube ist die Hürde zum „Teilen“ auf Facebook extrem niedrig. Ein gutes Video verbreitet sich viral in Gruppen und Feeds, was organische Reichweite erzeugt, die anderswo tot ist.

Man lernt nie aus. Der Markt schreit „Neu!“, aber die Daten flüstern „Effizienz“. Wir werden den „sterbenden Riesen“ nicht ignorieren, sondern ihn als das nutzen, was er heute ist: Der vielleicht unterschätzteste TV Kanal der Welt.